acarius Steuerberatungsgesellschaft mbH

acarius Blog

Erbschaftsteuer – persönliche Freibeträge

Nach einer Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge werden in Deutschland bis 2020 Vermögenswerte von rund 2,5 Billionen Euro vererbt. Das ist mehr als 25 Prozent des Vermögens aller privaten Haushalte. Im Durchschnitt werden 305.000 Euro pro Erbschaft und 153.000 Euro pro Erbe vererbt. Für die meisten fällt die Erbschaft aber deutlich geringer aus. Der Durchschnitt wird durch wenige sehr große Erbschaften nach oben getrieben. Das Aufkommen aus der Erbschaftsteuer liegt in Deutschland bei rund 5 Milliarden Euro pro Jahr.

In Deutschland ist die Erbschaftsteuer im Erbschaftsteuergesetz (ErbStG) geregelt. Sie ist eine Erbanfallsteuer und keine Nachlasssteuer. Besteuert wird die gesteigerte Leistungsfähigkeit des Empfängers und nicht – wie in anderen Staaten häufig – das hinterlassene Vermögen als Ganzes. Nach § 1 Abs. 1 ErbStG sind Schenkung und Erbschaft grundsätzlich gleichermaßen erfasst. So wird vermieden, dass Erbschaftssteuerzahlungen durch vorweggenommene Schenkungen umgangen werden.

Mit der Neuregelung der Erbschaftsteuer 2009 wurde die sogenannte Kernfamilie begünstigt. So müssen die Ehepartner und Kinder des Erblassers keine Erbschaftsteuer auf eine vererbte Immobilie zahlen, wenn sie diese mindestens zehn Jahre lang selbst nutzen. Das Haus oder die Eigentumswohnung darf innerhalb dieses Zeitraums nicht vermietet oder verkauft werden. Bei Kindern gilt für die Anerkennung der Steuerfreiheit zusätzlich die Auflage, dass die Wohnfläche nicht größer als 200 Quadratmeter sein darf.

Bei vermieteten und nicht selbst genutzten Immobilien wird die Erbschaftsteuer vom tatsächlichen Wert berechnet. Erben und Beschenkte können jedoch Freibeträge geltend machen:

  • 500.000 Euro für Ehegatten und eingetragene Lebenspartner,
  • 400.000 Euro für Kinder, Stiefkinder und Enkel, deren Eltern verstorben sind,
  • 200.000 Euro für Enkel, deren Eltern nicht verstorben sind,
  • 100.000 Euro für Eltern im Erbfall, Urenkel usw.
  • 20.000 Euro für Eltern und Großeltern bei Schenkung, Geschwister, Neffen, Nichten, Ehegatten der Kinder, geschiedene Ehegatten und alle übrigen Personen.

Sogenannte Schenkungsketten ermöglichen allerdings die Inanspruchnahme höherer Freibeträge. Möchten z. B. Großeltern Ihre Enkel begünstigen, beschenken sie zunächst ihre Kinder, die dann als nächstes ihre Kinder beschenken.

Die Steuersätze für die Erbschaftsteuer wurden mit der Neuregelung des ErbschG 2009 ebenfalls neu festgesetzt und mit Wirkung vom 1.1.2010 für die Steuerklasse II wieder gesenkt. Je nach Wert der Erbschaft oder Schenkung und der Steuerklasse beträgt der Steuersatz zwischen 7 % (bis 75.000 Euro in der Steuerklasse I) und 50 % (ab 13 Millionen in der Steuerklasse III).

Zu erwarten ist, dass sich angesichts knapper öffentlicher Kassen auch das Erbrecht in Deutschland zukünftig verschärfen wird.

Veröffentlicht durch: Dipl. oec. Marco Reimann, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer

zurück zur Übersicht