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Existenzgründung – steuerliche Pflichten kennen

Der Schritt in die Selbstständigkeit bedeutet meist Freiheit, Selbstbestimmung, Aufgabenvielfalt und die Aussicht, etwas Eigenes zu schaffen. Allerdings gibt es auch Risiken und gesetzliche Vorgaben, die zu beachten sind. Dazu zählt auch das Steuerrecht, mit dem Sie sich von Anfang an intensiv auseinander setzen sollten.

Umsatzsteuer

  • Als Unternehmer/in müssen Sie Umsatzsteuer auf Ihre getätigten Umsätze zahlen, also immer dann, wenn Sie Waren und Leistungen verkaufen. Der allgemeine Steuersatz beträgt 19 Prozent, der ermäßigte Steuersatz beträgt 7 Prozent (z. B. für Hotelübernachtungen, Kunst- und Medienberufe). Bestimmte Berufsgruppen wie z. B. Ärzte, Therapeuten oder Versicherungsmakler sind i.d.R. von der Umsatzsteuer ausgenommen. Für bezogene Leistungen können Sie Vorsteuer geltend machen, wenn sie steuerpflichtige Umsätze haben. Umsatzsteuer und Vorsteuer werden miteinander verrechnet, elektronisch (!) dem Finanzamt gemeldet und bezahlt.
  • In der Regel gilt die Soll-Besteuerung. Dann ist die Umsatzsteuer mit der Fakturierung und nicht mit dem Zahlungseingang fällig. In bestimmten Fällen ist auch die Ist-Versteuerung möglich, dann ist die Umsatzsteuer erst mit dem Zahlungseingang zu zahlen. Als Existenzgründer müssen Sie Ihre Umsatzsteuererklärung in den ersten zwei Jahren bis zum 10. eines Monats abgeben. Sie können eine Fristverlängerung um einen Monat beantragen, müssen dann allerdings 1/11 Umsatzsteuerzahllast als Sonderzahlung im Voraus leisten.
  • Für kleine Unternehmen, deren Umsätze im aktuellen Geschäftsjahr 50.000 Euro und im Vorjahr 17.500 Euro nicht übersteigen, besteht im Rahmen der Kleinunternehmerregelung die Möglichkeit, sich von der Umsatzsteuer befreien zu lassen. Allerdings gilt: Wer keine Umsatzsteuer abführt, darf auch keine Vorsteuer geltend machen, was bei großen Anfangsinvestitionen nachteilig sein kann.

Einkommensteuer

Jeder, der Einkommen erwirtschaftet oder erzielt, muss grundsätzlich Einkommensteuer zahlen. Hierbei legt der Gesetzgeber fest, welche Einkunftsarten steuerpflichtig sind. Es handelt sich hierbei um Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb, selbständiger Arbeit, nicht selbständiger Arbeit, Kapitalvermögen, Vermietung und Verpachtung sowie die sogenannten sonstigen Einkünfte. Die Höhe der Einkommensteuer richtet sich im Falle der selbständigen Arbeit bzw. den Einkünften aus Gewerbebetrieb nach dem erzielten persönlichen Gewinn (Betriebseinnahmen abzüglich Betriebsausgaben). Für das Jahr 2013 gilt ein persönlicher Grundfreibetrag von Euro 8.130 bzw. 16.260 Euro im Falle der Zusammenveranlagung; ab 2014 erhöht sich der Betrag auf 8.354 Euro bzw. 16.708 Euro. Was darüber hinausgeht, unterliegt nach Abzug der Sonderausgaben und der außergewöhnlichen Belastungen sowie einigen anderen abzugsfähigen Sachverhalten der Einkommensteuer und muss bis zum 31.5. des Folgejahres (31.12. bei Erstellung durch den Steuerberater) erklärt werden.

Gesellschafter einer Personengesellschaft müssen ihren Anteil am Gewinn der Gesellschaft im Rahmen ihrer Einkommensteuererklärung angeben. Die Personengesellschaft gibt ihrerseits eine Steuererklärung ab. Freiberufler erstellen eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung. Die Einkommensteuer ist quartalsweise im Voraus zu zahlen. Vorsicht: Wer im ersten Jahr der Unternehmensgründung zu wenig zahlt, muss im zweiten Jahr nicht nur die Nachzahlung, sondern auch höhere Vorauszahlungen leisten, was schnell zu einer hohen finanziellen Belastung führen kann.

Gewerbesteuer

Sind Sie in den Bereichen Handwerk, Handel, Dienstleistung oder Industrie tätig, müssen Sie grundsätzlich Gewerbesteuer zahlen. Als Freiberufler sind Sie von der Gewerbesteuer befreit. Besteuert wird der sogenannte gesondert zu ermittelnde Gewerbeertrag. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die Gewerbesteuer selbst seit 2008 nicht mehr als Betriebsausgabe abzugsfähig ist. Die Gewerbesteuerzahlungen werden jedoch zu einem großen Teil bei der Ermittlung der Einkommensteuer angerechnet. Die Hebesätze legen die Gemeinden individuell fest. Die Gewerbesteuer wird jährlich erklärt. Quartalsweise Vorauszahlungen sind üblich. Zahlungsempfänger ist die zuständige Gemeinde.

Körperschaftsteuer
Wird eine Kapitalgesellschaft gegründet, sind im ersten Schritt die von der Kapitalgesellschaft erzielten Einkünfte nicht dem Unternehmer bzw. Existenzgründer selbst, sondern der Kapitalgesellschaft zuzurechnen. Die Kapitalgesellschaft muss auf Ihre Gewinne neben der Gewerbesteuer 15 Prozent Körperschaftsteuer zahlen – egal, ob sie in der Gesellschaft verbleiben oder ausgeschüttet werden. Soweit der Unternehmer bzw. Gesellschafter bei der Kapitalgesellschaft angestellt ist, muss dieser seine Einkünfte (welche den körperschaftsteuerlichen Gewinn mindern) der Lohnsteuer unterwerfen. Einmal im Jahr wird erklärt, quartalsweise Vorauszahlungen sind üblich. Heikles Thema sind die sog. „verdeckten Gewinnausschüttungen“. Hierunter fallen insbesondere als Betriebsausgabe behandelte Zahlungen an Gesellschafter des Unternehmens. Halten sie aus Sicht des Finanzamtes keinem Drittvergleich stand, werden sie dem Gewinn hinzugerechnet und erhöhen die Steuerlast.

Lohnsteuer
Für angestellte Geschäftsführer und Mitarbeiter müssen Sie jeden Monat die Lohnsteuer elektronisch dem Finanzamt melden und überweisen.

Veröffentlicht durch: Dipl. oec. Marco Reimann, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer

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