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Aktuell – Umsatzsteuer bei elektronischen Dienstleistungen

Wenn Sie auf elektronischem Wege nicht-körperliche Produkte und Leistungen an Verbraucher aus dem EU-Ausland vertreiben, sind diese seit dem 1. Januar 2015 nicht mehr am Ort des Dienstleistungserbringers, hier: Deutschland, umsatzsteuerpflichtig, sondern am Ort des Empfängers. Verkaufen Sie etwa ein E-Book oder eine App an einen Endkunden (Nichtsteuerpflichtigen) in Österreich, so ist nun auf der Rechnung der österreichische Steuersatz von 20% auszuweisen, und der Betrag ist an das zuständige Finanzamt in Österreich abzuführen.

Ziel ist Verhinderung von Umsatzsteuerflucht

Diese EU-weit geltende Regelung soll verhindern, dass insbesondere große Anbieter in Länder mit niedrigem Umsatzsteuersatz „flüchten“, z.B. Apps vom Standort Luxemburg aus vertreiben.

Was gilt als elektronische Dienstleistung?

Betroffen sind elektronisch erbrachte Dienstleistungen wie Download-Software, E-Books, Communities, Webhosting oder Suchmaschinenoptimierung, soweit sie für Endkunden (Nichtsteuerpflichtige) erbracht werden. Die zugrunde liegende EU-Richtlinie nennt exemplarisch fünf Bereiche (2006/112/EG, Anhang II):

  1. Bereitstellung von Websites, Webhosting, Fernwartung von Programmen und Ausrüstungen;
  2. Bereitstellung von Software und deren Aktualisierung;
  3. Bereitstellung von Bildern, Texten, Informationen und Datenbanken;
  4. Bereitstellung von Musik, Filmen und Spielen, einschließlich Glücksspielen und Lotterien sowie von Sendungen und Veranstaltungen aus den Bereichen Politik, Kultur, Kunst, Sport, Wissenschaft und Unterhaltung;
  5. Erbringung von Fernunterrichtsleistungen.

Nicht betroffen sind elektronische Dienstleistungen an Unternehmen (sog. B2B-Geschäft) und der Vertrieb physischer Waren an Endkunden über das Internet.

Was Sie jetzt tun sollten

Wenn Sie elektronische Dienstleistungen an Endkunden aus dem EU-Ausland verkaufen, gehen Sie in folgenden Schritten vor:

  • Machen Sie sich mit dem Umsatzsteuerrecht in den EU-Ländern Ihrer Kunden vertraut. Das betrifft insbesondere die jeweils geltenden Steuersätze, die Meldepflichten und die Strafen für verspätete oder versäumte Zahlung.
  • Lassen Sie sich im Ausland umsatzsteuerlich erfassen. Alternativ können Sie die Sonderregelung „Mini-One-Stop-Shop“ (MOSS) über das Bundeszentralamt für Steuern in Anspruch nehmen (www.BZSt.de unter „Steuern international“). Dabei erklären Sie die betreffende Umsatzsteuer in einer getrennten Steuererklärung beim Bundeszentralamt für Steuern, das dann die Abführung in das jeweilige EU-Land für Sie vornimmt.
  • Prüfen Sie Ihre Endkundenpreise (brutto) und kalkulieren Sie gegebenenfalls neu, wenn die Steuersätze des Empfängerlandes stark von bisher geltenden deutschen abweichen.
  • Passen Sie die Rechnungsstellung an: Weisen Sie neben dem Bruttopreis für den Endkunden den geltenden Umsatzsteuersatz im Empfängerland korrekt aus.
  • Stellen Sie sicher, dass Ihr Shop entsprechend programmiert ist.
  • Wenn Sie Online-Plattformen Dritter nutzen: Achten Sie darauf, dass dort alles korrekt berücksichtigt wird.

Veröffentlicht durch: Dipl. oec. Marco Reimann, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer

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